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Via Emilia – Teil 2: Von Reggio Emilia bis an die Adria

Via Emilia Teil 2

Eine römische Straße, die bis heute nach Italien schmeckt

Wer die Via Emilia entlangfährt, merkt schnell: Diese Straße ist weit mehr als eine Verbindung zwischen zwei Städten.

Sie ist eine Reise durch eine Landschaft, die Italien auf ganz besondere Weise geprägt hat – kulinarisch, kulturell und wirtschaftlich. Vor mehr als 2.000 Jahren wurde die römische Straße angelegt. Heute führt sie noch immer mitten durch das Herz der Emilia-Romagna.

In Teil 1 unserer Reise sind wir in Reggio Emilia angekommen. Von dort geht es nun weiter nach Osten – durch Modena, Bologna, Imola und Faenza, vorbei an Forlì und Cesena und schließlich bis an die Adriaküste nach Rimini.

Und unterwegs entdecken wir wieder etwas, das Italien so wunderbar macht: Hinter jedem Ort steckt eine Geschichte. Und hinter fast jeder Geschichte steckt irgendwann auch etwas Gutes zu essen und zu trinken.

Von Reggio Emilia nach Modena

Wir verlassen Reggio Emilia und folgen weiter der Via Emilia.

Unser nächster Halt ist Modena.

Modena ist eine Stadt der Gegensätze. Auf der einen Seite stehen Motoren, Geschwindigkeit und die legendären italienischen Sportwagen. Auf der anderen Seite gibt es etwas, das genau das Gegenteil verkörpert: Aceto Balsamico Tradizionale.

Denn während ein Motor möglichst schnell auf Touren kommen soll, braucht guter Balsamico vor allem eines:

Zeit.

Traubenmost wird eingekocht und anschließend über viele Jahre in verschiedenen Holzfässern gereift. Aus etwas zunächst Einfachem entsteht durch Geduld und Handwerk etwas ganz Besonderes.

Vielleicht ist genau das typisch für diese Region: Leidenschaft darf hier schnell und temperamentvoll sein – aber Genuss braucht seine Zeit.

Bologna – La Dotta, La Rossa, La Grassa

Von Modena führt die Via Emilia nach Bologna.

Die Hauptstadt der Emilia-Romagna trägt gleich mehrere Beinamen.

La Dotta – die Gelehrte, wegen ihrer traditionsreichen Universität.

La Rossa – die Rote, wegen ihrer roten Dächer und Fassaden.

Und schließlich:

La Grassa – die Fette.

Ein Beiname, den man in Italien durchaus liebevoll verstehen darf.

Denn Bologna ist eine Stadt, in der Essen nicht einfach Nahrungsaufnahme ist. Essen gehört zur Identität.

Pasta, Ragù, Mortadella, Tortellini – die kulinarische Tradition Bolognas ist weltberühmt.

Und doch lohnt es sich, weiterzufahren. Denn östlich von Bologna verändert sich die Landschaft – und mit ihr auch die Küche.

Wir kommen in die Romagna.

Imola – zwischen Rennstrecke und Genuss

Der nächste interessante Halt ist Imola.

Viele denken bei diesem Namen zuerst an Motorsport. Die berühmte Rennstrecke Autodromo Enzo e Dino Ferrari hat den Ort international bekannt gemacht.

Doch Imola ist mehr als schnelle Autos und Rennsport.

Auch hier zeigt sich wieder die enge Verbindung zwischen Stadt, Landschaft und Küche. Die Emilia-Romagna ist eben eine Region, in der Genuss und Leidenschaft erstaunlich selbstverständlich nebeneinander existieren.

Und wenn man sich von der Rennstrecke wieder auf die Via Emilia begibt, wird es etwas ruhiger.

Faenza – wenn Erde zu Kunst wird

In Faenza wartet eine ganz andere Form italienischer Handwerkskunst.

Die Stadt ist berühmt für ihre Keramik.

Seit Jahrhunderten werden hier aus Erde und Feuer kunstvolle Gegenstände geschaffen. Die Keramikkunst von Faenza hat sogar den Namen der Stadt in viele Sprachen getragen: Das französische Wort faïence für Fayence geht auf Faenza zurück.

Auch das ist eine schöne Gemeinsamkeit mit der Küche dieser Region:

Aus etwas scheinbar Einfachem – Ton, Mehl, Wasser, Trauben – kann durch Handwerk und Erfahrung etwas Besonderes entstehen.

Weiter Richtung Adriaküste

Von Faenza geht es weiter über Forlì und Cesena.

Die Landschaft wird flacher, die Luft verändert sich, und irgendwann ist sie zu spüren:

die Nähe zum Meer.

Die Via Emilia führt uns immer weiter Richtung Osten.

Wer hier unterwegs ist, bewegt sich durch eine Landschaft, die von Landwirtschaft, Weinbergen und Obstbau geprägt ist. Und gleichzeitig ist das Meer nicht mehr weit entfernt.

Noch ein kleiner Schlenker führt uns nach Ravenna.

Und dieser Abstecher lohnt sich.

Ravenna – Mosaike und ein besonderer Wein

Ravenna ist berühmt für seine frühchristlichen Mosaike. Goldene Steinchen, kunstvolle Bilder und eine Geschichte, die weit in die Spätantike zurückreicht.

Doch Ravenna hat auch eine besondere Weintradition.

Hier wächst unter anderem die Uva Longanesi – eine autochthone Rebsorte der Romagna, aus der der charaktervolle Wein Bursòn entsteht.

Und genau hier schließt sich für uns der Kreis zu Teil 1.

Denn schon in der vergangenen Woche haben wir einen Wein von Tenuta Uccellina vorgestellt: den weißen Rambëla aus der alten Rebsorte Famoso.

Diesmal bleiben wir bei diesem Weingut – wechseln aber die Farbe.

Im Glas steht heute:

Blu di Bursòn – Ravenna Uva Longanesi IGP.

Ein Wein aus 100 Prozent Uva Longanesi.

Intensiv rubinrot, mit Aromen von roten Früchten und würzigen Noten. Frisch und gleichzeitig angenehm vollmundig, mit feinen Tanninen.

Ein Wein, der wunderbar zu unserer heutigen Küche passt.

Strozzapreti al ragù di salsiccia

Priesterwürger aus der Romagna

Und damit sind wir bei einem Namen angekommen, der neugierig macht:

Strozzapreti.

Wörtlich übersetzt heißt das:

Priesterwürger.

Eine Pasta mit einem ziemlich ungewöhnlichen Namen.

Die Strozzapreti sind eine traditionelle Pasta der Romagna. Anders als viele bekannte italienische Pastasorten werden sie klassischerweise ohne Ei zubereitet – aus Mehl und Wasser. Der Teig wird dünn ausgerollt und anschließend mit den Händen zu kleinen, unregelmäßigen Nudeln gerollt.

Warum heißen sie Priesterwürger?

Dafür gibt es verschiedene Geschichten und Legenden.

Eine davon spielt auf die lange Geschichte der Romagna und ihre Verbindung zum Kirchenstaat an. Die Bevölkerung hatte offenbar durchaus ihren eigenen Humor – und so entstand die Vorstellung, dass die Hausfrauen den Geistlichen beim Anblick dieser köstlichen Pasta am liebsten einen kleinen Schrecken eingejagt hätten.

Ob die Geschichte nun genau so passiert ist, lässt sich natürlich nicht beweisen.

Aber ein bisschen italienischer Humor darf bei einem Teller Strozzapreti durchaus dabei sein.

Und wer bei „Priesterwürger“ sofort an Don Camillo und Peppone denkt, liegt zumindest gefühlsmäßig gar nicht so falsch.

Denn die Romagna ist eine Landschaft, in der Tradition, Religion, Politik und der ganz normale Alltag schon immer aufeinandergetroffen sind.

Heute lassen wir die alten Streitigkeiten allerdings beiseite.

Wir essen lieber.

Das Rezept

Strozzapreti al ragù di salsiccia

Für 4 Personen

Für die Strozzapreti

  • 400 g Mehl, möglichst italienisches Weizenmehl
  • ca. 200 ml lauwarmes Wasser
  • 1 Prise Salz

Für das Ragù

  • 300–350 g italienische Salsiccia
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 kleine Karotte
  • 1 Stück Staudensellerie
  • 2 EL Olivenöl
  • 400 g passierte Tomaten
  • ca. 100 ml trockener Rotwein
  • Salz
  • schwarzer Pfeffer
  • etwas Rosmarin
  • optional etwas Parmesan zum Servieren

Zubereitung

1. Den Pastateig vorbereiten

Mehl auf die Arbeitsfläche geben und in der Mitte eine Mulde formen.

Nach und nach das Wasser hinzufügen und alles zu einem geschmeidigen, eher festen Teig verkneten.

Den Teig etwa 20–30 Minuten ruhen lassen.

2. Strozzapreti formen

Den Teig portionsweise dünn ausrollen und in schmale Streifen schneiden.

Nun kommt der schöne Teil: Die Streifen werden zwischen den Händen leicht gerollt und dabei zu kurzen, unregelmäßigen Nudeln geformt.

Sie müssen nicht perfekt aussehen.

Im Gegenteil:

Strozzapreti dürfen aussehen wie selbst gemacht.

Denn genau das sind sie.

3. Das Ragù vorbereiten

Zwiebel, Karotte und Sellerie sehr fein würfeln.

Das Olivenöl in einem Topf erhitzen und das Gemüse langsam darin anschwitzen.

Die Salsiccia aus der Haut drücken, zerzupfen und dazugeben.

Alles gut anbraten.

Mit dem Rotwein ablöschen und kurz einkochen lassen.

Anschließend die passierten Tomaten hinzufügen.

Mit Salz, Pfeffer und etwas Rosmarin würzen und das Ragù bei niedriger Hitze mindestens 30 Minuten sanft köcheln lassen.

Je länger es Zeit bekommt, desto schöner verbinden sich die Aromen.

4. Die Pasta kochen

Die Strozzapreti in reichlich Salzwasser kochen.

Frische Pasta braucht nur wenige Minuten.

Etwas Kochwasser auffangen.

5. Alles miteinander verbinden

Die Pasta direkt zum Ragù geben und gut vermischen.

Falls nötig, mit etwas Pastawasser die Sauce geschmeidiger machen.

Auf Teller verteilen und nach Geschmack mit etwas Parmesan servieren.

Dazu passt hervorragend ein Glas:

Blu di Bursòn

von Tenuta Uccellina aus Ravenna.

Der kräftige, fruchtige Charakter der Uva Longanesi harmoniert wunderbar mit der würzigen Salsiccia und dem herzhaften Ragù.

Und dann ist das Meer nicht mehr weit

Nach Ravenna folgen wir wieder der Via Emilia.

Noch einmal geht es durch die Landschaft der Romagna – und schließlich erreichen wir Rimini.

Hier endet unsere Reise entlang der Via Emilia dort, wo die Straße auf die Adriaküste trifft.

Von der römischen Straße zum Meer.

Von Reggio Emilia bis Rimini.

Von Parmigiano und Balsamico über Pasta und Wein bis hin zu den Stränden der Adria.

Mehr als 2.000 Jahre Geschichte liegen zwischen diesen beiden Endpunkten – und doch führt die Via Emilia noch heute mitten durch das Leben dieser Region.

Vielleicht ist genau das ihr größtes Geheimnis:

Man kann auf einer Straße reisen und gleichzeitig durch die Geschichte, die Küche und die Seele einer Landschaft fahren.

Und wenn man am Ende in Rimini ankommt, darf man sich ruhig vorstellen, wie die Reise weitergeht.

Ein Tisch am Meer.

Ein Teller Strozzapreti.

Ein Glas Rotwein.

Und vielleicht noch ein bisschen Zeit.

Denn davon hat uns die Via Emilia ja bereits in Modena erzählt:

Die besten Dinge im Leben brauchen manchmal genau das – Zeit.

Unser Wein zur Reise

Blu di Bursòn – Ravenna Uva Longanesi IGP

100 % Uva Longanesi
von Tenuta Uccellina, Russi/Ravenna

Intensives Rubinrot, Aromen von roten Früchten und Gewürzen, frisch und harmonisch mit feinen Tanninen.

Serviertemperatur: 18–20 °C

Passt besonders gut zu: Salumi, Pasta mit kräftigen Saucen und Fleischgerichten.

Ein Wein, der die Romagna im Glas trägt – und damit ein wunderschöner Abschluss unserer Reise auf der Via Emilia.

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