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Die Via Emilia – Teil 1: Eine Straße, die eine ganze Region geprägt hat

Kulinarische Schätze entlang der Via Emilia

Es gibt Straßen, die bringen uns von A nach B.

Und es gibt Straßen, die erzählen die Geschichte eines ganzen Landes.

Eine davon ist die Via Emilia.

Vor mehr als 2.000 Jahren ließ der römische Konsul Marcus Aemilius Lepidus diese Straße bauen. Im Jahr 187 v. Chr. begann ihr Bau – und bis heute prägt diese alte Verbindung die Landschaft, die Städte und vor allem das Leben der Menschen in der Emilia-Romagna.

Die antike Via Emilia verband zunächst Piacenza und Rimini. Heute ist die Strecke etwas mehr als 260 Kilometer lang und führt von Nordwesten nach Südosten durch eine Region, deren Name untrennbar mit dieser Straße verbunden ist.

Und wenn wir heute auf der Via Emilia unterwegs sind, fahren wir eben nicht einfach nur eine alte Römerstraße entlang.

Wir durchqueren eine Region, in der Geschichte, Landschaft, Handwerk und Genuss auf ganz besondere Weise miteinander verbunden sind.

Von Piacenza bis in die Romagna

Entlang der Via Emilia liegen Städte wie Parma, Reggio Emilia, Modena, Bologna, Imola und Faenza.

Jede dieser Städte hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Traditionen und ihre eigenen kulinarischen Besonderheiten.

Und genau das macht diese Reise so spannend.

Denn die Emilia-Romagna gehört zu den großen kulinarischen Schatzkammern Italiens.

Parmigiano Reggiano, Prosciutto di Parma, Aceto Balsamico Tradizionale di Modena, Tortellini, frische Pasta, Mortadella, Lambrusco – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Eigentlich könnte man entlang der Via Emilia eine eigene kulinarische Reise unternehmen.

Und genau deshalb habe ich beschlossen, unsere Reise auf zwei Folgen aufzuteilen.

Diese Straße ist einfach zu reich an Geschichten, Landschaften und kulinarischen Besonderheiten, um sie in nur einer Folge abzuhandeln.

Die Via Emilia – mehr als eine Straße

Schon die Römer wussten, welche Bedeutung eine solche Verbindung haben konnte.

Entlang der Straße entstanden oder entwickelten sich bedeutende Orte. Die Via Emilia wurde zu einer Lebensader für Handel, Reisen und Austausch.

Reisende konnten an Stationen und Herbergen Halt machen, Pferde wechseln und ihre Reise fortsetzen.

Eine Straße verband Menschen, Waren und Ideen.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum die Via Emilia bis heute eine solche Bedeutung für diese Region besitzt.

Die Landschaft verändert sich, die Städte wechseln – aber die Verbindung bleibt.

Von den Ebenen der Poebene bis zu den Ausläufern des Apennin, von Parma über Reggio Emilia und Modena bis nach Bologna und weiter in Richtung Romagna.

Dabei begegnet uns immer wieder dasselbe Grundmotiv:

Menschen, die aus dem, was ihre Landschaft ihnen schenkt, etwas Besonderes machen.

Vielleicht ist genau das eines der Geheimnisse der Emilia-Romagna.

Ein kulinarischer Zwischenstopp: Reggio Emilia

Für unsere erste Folge machen wir Halt in Reggio Emilia.

Und hier begegnen wir einer Spezialität, die wunderbar zu unserer Reise passt:

Erbazzone Reggiano

Der Erbazzone ist eine herzhafte, knusprig gebackene Teigspezialität mit einer Füllung aus Blattgemüse, Zwiebeln und Parmigiano Reggiano. Traditionell kommen außerdem Speck und Schmalz dazu.

Seine Wurzeln reichen tief in die bäuerliche Küche der Region zurück.

Ursprünglich wurde der Erbazzone vor allem mit Mangold zubereitet. Später kamen auch andere Blattgemüse wie Spinat zum Einsatz.

Heute gehört er zu den typischen Spezialitäten von Reggio Emilia – und wird dort praktisch zu jeder Tageszeit gegessen. Sogar zum Frühstück kann man ihm begegnen.

Und genau deshalb gefällt mir dieses Gericht so gut.

Es ist einfach, bodenständig und voller Geschmack.

Kein kompliziertes Sternegericht.

Sondern eine Spezialität, die zeigt, wie aus wenigen guten Zutaten etwas ganz Besonderes entstehen kann.

Und natürlich ist genau das auch ein Gedanke, der wunderbar zur italienischen Küche passt:

Gute Zutaten, handwerkliches Können und Zeit brauchen oft gar nicht viel mehr.

Mein Erbazzone für zu Hause

Wenn Sie den Erbazzone selbst ausprobieren möchten, können Sie ihn ganz unkompliziert zubereiten.

Für meinen Erbazzone würde ich einen einfachen Mürbeteig beziehungsweise einen dünnen herzhaften Teig verwenden.

Für den Teig

  • 300 g Mehl
  • 60 g Schweineschmalz oder alternativ Butter
  • etwa 120 ml Wasser
  • 1 Prise Salz

Für die Füllung

  • 500 g Mangold oder eine Mischung aus Mangold und Spinat
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 Knoblauchzehe
  • 80–100 g frisch geriebener Parmigiano Reggiano
  • 50–75 g Pancetta oder Speck
  • 2 EL Semmelbrösel
  • etwas Olivenöl
  • Salz und Pfeffer

So wird der Erbazzone zubereitet

Das Gemüse kurz blanchieren oder in der Pfanne zusammenfallen lassen. Anschließend gut ausdrücken und grob hacken.

Zwiebel, Knoblauch und Pancetta in etwas Olivenöl anbraten. Das vorbereitete Gemüse dazugeben und kurz mitdünsten.

Anschließend den Parmigiano Reggiano und die Semmelbrösel unterheben und die Füllung mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Den Teig dünn ausrollen.

Eine Hälfte in eine gefettete Form legen, die Füllung darauf verteilen und mit der zweiten Teighälfte bedecken.

Die Oberfläche mit einer Gabel einstechen und nach Wunsch mit einigen kleinen Speckwürfeln bestreuen.

Bei etwa 200 °C Ober-/Unterhitze goldbraun backen.

Und noch ein kleiner Tipp von mir

In kleine Stücke geschnitten, eignet sich der Erbazzone wunderbar als Aperitivo, als kleine Mahlzeit oder für einen Abend mit Freunden.

Ich würde ihn deshalb nicht unbedingt als klassischen „Kuchen“ servieren, sondern tatsächlich in kleine, handliche Stücke schneiden.

Und wer auf Fleisch verzichten möchte, kann den Speck selbstverständlich weglassen.

So wird aus einer traditionellen Spezialität ganz unkompliziert ein vegetarischer Genuss.

Und was kommt ins Glas?

Zu einem Gericht aus der Emilia-Romagna darf natürlich auch der passende Wein nicht fehlen.

Meine Wahl für diese erste Etappe der Via Emilia fällt auf einen Wein, der selbst eine Geschichte der Region erzählt:

Rambëla – Ravenna Famoso IGP

Der Rambëla von Tenuta Uccellina wird zu 100 % aus Famoso gekeltert – einer alten autochthonen Rebsorte der Romagna.

Die ersten historischen Hinweise auf diese Rebsorte reichen bis in das Jahr 1437 zurück.

Tenuta Uccellina verarbeitet die Trauben von Hand und baut den Wein im Edelstahltank und anschließend auf der Flasche aus.

Im Glas zeigt sich der Rambëla frisch, floral und fruchtig, begleitet von Zitrusaromen und einer feinen Salbeinote.

Und genau diese Frische gefällt mir besonders gut zum Erbazzone.

Der Wein bringt genügend Frische und Säure mit, um mit dem würzigen Parmigiano Reggiano und – in der traditionellen Variante – dem Speck mitzuhalten, ohne die feinen Aromen der Kräuterfüllung zu überdecken.

Erbazzone und Rambëla – eine kleine Begegnung zwischen Emilia und Romagna.

Und damit sind wir eigentlich schon mitten in dem, was die Via Emilia so faszinierend macht.

Eine Straße verbindet mehr als Orte

Eine Straße kann Menschen miteinander verbinden.

Sie kann Handel ermöglichen, Reisen erleichtern und Städte miteinander verknüpfen.

Aber manchmal entsteht daraus noch viel mehr.

Entlang der Via Emilia haben sich über Jahrhunderte Traditionen, Handwerk, Landwirtschaft und Küche entwickelt.

Und genau deshalb ist diese Straße für mich ein wunderbares Beispiel dafür, dass eine Reise durch Italien niemals nur eine Reise durch eine Landschaft ist.

Wir reisen durch Geschichten.

Wir begegnen Menschen.

Wir entdecken regionale Spezialitäten.

Und irgendwann sitzen wir vielleicht an einem Tisch, vor uns ein Stück Erbazzone und ein Glas Wein – und verstehen ein kleines bisschen besser, was diese Region so besonders macht.

Unsere Reise auf der Via Emilia ist damit aber noch lange nicht zu Ende.

In der nächsten Folge fahren wir weiter Richtung Modena und Bologna und tauchen noch tiefer in die kulinarische Welt dieser Region ein.

Dann warten unter anderem Tortellini, Balsamico und weitere Geschichten auf uns.

Also: einsteigen, zurücklehnen und genießen.

Buon viaggio entlang der Via Emilia!

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