Heute nehme ich Sie mit in eine Region Italiens, die für mich etwas ganz Besonderes ist:
Kalabrien.
Ganz im Süden des italienischen Stiefels gelegen, zwischen zwei Meeren, mit zerklüfteten Küsten, kleinen Dörfern, Bergen, Olivenhainen und einer Küche, die ebenso bodenständig wie voller Charakter ist.
Und diesmal reisen wir nicht mit dem Auto.
Wir steigen in den Zug.
Denn eine der schönsten Möglichkeiten, Kalabrien kennenzulernen, ist für mich die Fahrt entlang der Küste.
Also:
Einsteigen bitte – wir fahren los!
🚆 Mit dem Zug an der Costa Viola entlang
Unsere Reise beginnt im Süden Kalabriens.
Der Zug fährt an der Küste entlang und immer wieder öffnet sich der Blick auf das Meer.
Hier liegt die berühmte Costa Viola, die „Violette Küste“.
Der Name kommt übrigens nicht daher, dass das Meer tatsächlich violett ist.
Vielmehr verändert sich das Licht auf dem Wasser – besonders bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang – und kann der Küste diesen ganz besonderen violetten Schimmer verleihen.
Und während wir aus dem Zugfenster schauen, tauchen Orte auf, die untrennbar mit der kalabrischen Küste verbunden sind.
Scilla.
Ein kleiner, wunderschöner Ort, der sich an die Küste schmiegt.
Und etwas weiter:
Bagnara Calabra.
Beide Orte sind eng mit einer ganz besonderen Tradition verbunden:
dem Schwertfischfang.
🐟 Der Schwertfisch von Kalabrien
Der Schwertfisch gehört hier seit Jahrhunderten zur Küchenkultur.
Zwischen Scilla und Bagnara Calabra wird traditionell Schwertfisch gefangen.
Und wenn man diese Gegend bereist, versteht man auch, warum der Fisch hier einen so besonderen Stellenwert hat:
Das Meer ist nicht einfach Kulisse.
Das Meer ist Teil des Lebens.
Es bestimmt, was auf den Tisch kommt.
Es prägt die Menschen.
Und natürlich prägt es die Küche.
Und genau deshalb möchte ich heute ein Gericht mit Ihnen kochen, das für mich wunderbar zu dieser Reise passt:
🍝 Fileja – eine Pasta mit Geschichte
Fileja ist eine typische kalabrische Pasta.
Sie wird traditionell aus einem einfachen Teig hergestellt und erhält ihre charakteristische Form, indem der Teig um einen dünnen Stab gewickelt wird.
Und das Schöne ist:
Ich habe Fileja selbst in Kalabrien machen dürfen.
Ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Workshop. Man sieht zunächst diese einfachen Zutaten vor sich:
Mehl. Wasser. Und ein bisschen Zeit.
Und dann beginnt man, den Teig zu bearbeiten.
Aus etwas ganz Einfachem entsteht eine Pasta, die eine ganz eigene Form und Struktur bekommt.
Das ist genau das, was ich an der italienischen Küche so liebe:
Sie muss nicht kompliziert sein.
Sie braucht gute Zutaten, Erfahrung – und vor allem Zeit.
Die Kombination aus der typisch kalabrischen Pasta und dem Fisch der Costa Viola passt für mich perfekt zu dieser Folge.
Zutaten für 4 Personen
400 g Fileja
400 g frisches Schwertfischfilet
250 g Kirschtomaten
2 Knoblauchzehen
1 kleine Chilischote oder Peperoncino
frisches Basilikum
1 unbehandelte Zitrone
4–5 EL natives Olivenöl extra
Salz, schwarzer Pfeffer
Zubereitung
1. Schwertfisch vorbereiten
Das Schwertfischfilet von Haut und Gräten befreien und in etwa 2 cm große Würfel schneiden.
2. Tomaten vorbereiten
Die Kirschtomaten waschen und halbieren. Knoblauch schälen und leicht andrücken. Die Chilischote fein schneiden.
3. Die Sauce ansetzen
Das Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen. Knoblauch und Peperoncino darin vorsichtig erwärmen, bis das Öl aromatisiert ist. Der Knoblauch sollte dabei nicht dunkel werden.
Die Kirschtomaten dazugeben, leicht salzen und einige Minuten bei mittlerer Hitze schmoren lassen.
4. Die Fileja kochen
Währenddessen reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Fileja nach Packungsangabe al dente kochen. Etwas Nudelwasser auffangen.
5. Die Schwertfischwürfel zur Tomatensauce geben und nur wenige Minuten mitgaren. Der Fisch sollte gerade durchgegart sein, aber saftig bleiben.
6. Pasta und Sauce verbinden
Die Fileja abgießen und direkt zur Sauce geben.
Alles vorsichtig vermengen. Bei Bedarf etwas Nudelwasser hinzufügen, damit sich Sauce und Pasta schön miteinander verbinden.
7. Zum Schluss die Pfanne vom Herd nehmen. Frisches Basilikum und etwas fein abgeriebene Zitronenschale hinzufügen. Wer möchte, kann noch einen kleinen Spritzer Zitronensaft ergänzen.
Noch einmal vorsichtig durchschwenken und sofort servieren.
🍷 Und was trinken wir dazu?
Natürlich:
Primula Bianco von De Luca.
Ein kalabrischer Weißwein passt wunderbar zu diesem Gericht.
Die Frische des Weins begleitet den Schwertfisch, während er gleichzeitig die Zucchini, die Tomaten und die mediterranen Kräuter schön ergänzt.
Und genau hier schließt sich für mich der Kreis unserer Reise:
Wir sind mit dem Zug an der kalabrischen Küste entlanggefahren. Wir haben das Meer gesehen. Wir haben über die Schwertfischtradition gesprochen. Wir haben eine typische Pasta Kalabriens kennengelernt.
Und jetzt sitzen wir am Tisch.
🌊 Kalabrien auf dem Teller
Und vielleicht ist genau das für mich das Geheimnis der italienischen Küche:
Man muss nicht immer kompliziert kochen, um eine Region auf den Teller zu bringen.
Manchmal reichen ein paar gute Zutaten. Eine Pasta. Ein Fisch. Etwas Gemüse. Gutes Olivenöl. Ein Glas Wein. Und die Geschichte dahinter.
Denn wenn wir wissen, woher die Produkte kommen und welche Menschen dahinterstehen, schmeckt ein Gericht plötzlich ganz anders.
Dann essen wir nicht einfach.
Wir reisen.
❤️ Abschluss
Und damit verabschiede ich mich für heute aus Kalabrien.
Vielleicht haben Sie jetzt ebenfalls Lust bekommen, einmal mit dem Zug an dieser wunderschönen Küste entlangzufahren.
Vielleicht steigen Sie in Scilla aus.
Vielleicht besuchen Sie Bagnara Calabra.
Vielleicht entdecken Sie einen kleinen Ort, den Sie vorher überhaupt nicht kannten.
Und vielleicht setzen Sie sich irgendwann an einen Tisch am Meer, bestellen einen Teller Pasta und ein Glas Wein und denken:
So fühlt sich Italien an.
Denn genau darum geht es bei Italian Secrets:
Nicht nur Italien zu sehen. Nicht nur Italien zu schmecken. Sondern ein kleines Stück Italien mit nach Hause zu nehmen.
Alla prossima!