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Serrapetrona in den Marken – Wo ein außergewöhnlicher Wein seine Heimat hat

Ein Glas rubinrote Vernaccia di Serrapetrona DOCG und frisch gebackene Vincisgrassi – kulinarische Besonderheiten aus den Marken, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft Mittelitaliens

Eine Reise durch die Hügel Mittelitaliens, zu einer fast einzigartigen Weintradition, einer herzhaften Küche und süßen Spezialitäten, die von der Seele ihrer Heimat erzählen.

Ein kleines Dorf mit einer großen Geschichte

Es gibt Orte in Italien, die man vielleicht nicht sofort auf der Landkarte sucht. Keine mondänen Promenaden, keine kilometerlangen Strände und keine großen Namen, die überall bekannt sind. Und doch besitzen sie etwas, das einen nicht mehr loslässt: eine Landschaft, die Geschichten erzählt, Menschen, die ihre Traditionen bewahren, und Produkte, in denen man die Seele ihrer Heimat schmecken kann.

Ein solcher Ort ist Serrapetrona in der Region Marken, in der Provinz Macerata. Rund 30 Kilometer von der Provinzhauptstadt entfernt, liegt das kleine mittelalterliche Dorf eingebettet in die sanften, stellenweise bewaldeten Hügel des Apenninvorlandes.

Wer sich Serrapetrona nähert, entdeckt eine Landschaft, in der Weinberge, Wälder und kleine Ortschaften miteinander verwoben sind. Die alten Häuser und Kirchen erzählen von einer langen Geschichte. Zwischen den Hügeln scheint die Zeit manchmal etwas langsamer zu vergehen. Man kann sich gut vorstellen, wie die Menschen hier seit Generationen mit ihrer Landschaft leben und arbeiten, wie Wissen weitergegeben wird und wie aus regionalen Besonderheiten Traditionen entstehen.

Serrapetrona ist jedoch nicht nur ein hübsches Dorf in Mittelitalien. Es ist die Heimat eines Weines, der selbst unter italienischen Weinen eine besondere Stellung einnimmt: der Vernaccia di Serrapetrona DOCG.

Ein roter Schaumwein, der aus dem Rahmen fällt

Wenn wir an italienische Schaumweine denken, kommen uns häufig Prosecco, Franciacorta oder vielleicht ein Moscato d’Asti in den Sinn. Ein roter Schaumwein steht dagegen bei vielen Menschen nicht unbedingt an erster Stelle.

In Serrapetrona ist das anders. Hier dreht sich vieles um die Vernaccia Nera, eine autochthone rote Rebsorte, die eng mit diesem kleinen Anbaugebiet verbunden ist.

Das Besondere beginnt bereits bei der Herstellung. Mindestens 40 Prozent der Trauben werden nach der Ernte getrocknet. Dafür legt man sie auf Gestelle oder Gitter, damit die Luft zwischen den Beeren zirkulieren kann. In traditionellen Trockenräumen werden tagsüber die Fenster geöffnet, damit trockene Luft durch den Raum zieht. Am Abend schließt man sie wieder, um die Trauben vor Feuchtigkeit zu schützen.

Während des Trocknens verlieren die Beeren Wasser. Ihre Inhaltsstoffe konzentrieren sich, und es entwickeln sich intensivere Aromen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil der besonderen Weinbereitung in Serrapetrona.

Ein größerer Teil der Trauben wird direkt nach der Lese vergoren. Im Winter wird der aus den getrockneten Trauben gewonnene Wein mit dem Wein aus den frisch geernteten Trauben zusammengeführt. Nach einer weiteren Reifephase folgt die dritte Gärung in einem Drucktank. Dabei bleibt die entstehende Kohlensäure im Wein gebunden und verleiht ihm seine charakteristische Perlage.

So entsteht ein außergewöhnlicher roter Schaumwein, der sowohl in einer trockenen als auch in einer süßen Variante ausgebaut wird.

Je nach Ausbau präsentiert sich die Vernaccia di Serrapetrona mit Aromen reifer roter Früchte und würzigen Noten. Die Kombination aus der autochthonen Rebsorte, der besonderen Herstellung und der feinen Perlage verleiht ihr eine bemerkenswerte Eigenständigkeit.

Die trockene Variante passt besonders gut zu herzhaften Speisen, etwa zu den typischen Wurstwaren der Region. Die süße Version ist eine interessante Begleiterin zu traditionellem Gebäck und Desserts.

Die Vernaccia di Serrapetrona DOCG ist damit weit mehr als ein ungewöhnlicher Wein. Sie ist ein Ausdruck regionaler Identität – entstanden aus dem Zusammenspiel von Rebsorte, Landschaft und traditioneller Handwerkskunst.

Die Küche der Marken: herzhaft, bodenständig und voller Geschmack

Wer die Marken kulinarisch entdecken möchte, sollte sich Zeit nehmen. Die Küche dieser Region ist so vielfältig wie ihre Landschaft. An der Adriaküste spielen Fisch und Meeresfrüchte eine wichtige Rolle. Im Landesinneren begegnen uns dagegen kräftige Fleischgerichte, hausgemachte Pasta, Hülsenfrüchte und Gemüse.

Viele dieser Gerichte sind eng mit dem Alltag und den Jahreszeiten verbunden. Sie wurden über Generationen weitergegeben und in den Familien immer wieder ein wenig verändert. Genau darin liegt ein Teil ihres Charmes: Es gibt nicht immer nur eine einzige richtige Zubereitung, sondern oft viele Familienrezepte, die alle ihre eigene Geschichte erzählen.

Ein Gericht, das weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist, heißt Vincisgrassi. Es handelt sich um eine besonders reichhaltige Variante der italienischen Ofenpasta, bei der mehrere Schichten frischer Pasta mit Fleischsauce und Béchamelsauce kombiniert und im Ofen gebacken werden.

Je nach Rezept kommen unterschiedliche Fleischsorten, Gemüse und weitere Zutaten hinzu. Das Ergebnis ist eine kräftige, aromatische Lasagne, die wunderbar zu einem Sonntagsessen, einem Fest mit der Familie oder einem gemütlichen Abend mit Freunden passt.

Auch die Geschichte dieses Gerichtes ist spannend. Schriftliche Spuren finden sich bereits im 18. Jahrhundert in einem Kochbuch aus Macerata. Über die Entstehung des heutigen Namens und eine mögliche Verbindung zu einem österreichischen General wird bis heute erzählt. Die historischen Einzelheiten sind jedoch nicht abschließend geklärt.

Gerade solche Gerichte zeigen, wie lebendig kulinarische Traditionen sind. Ein Rezept wird von Generation zu Generation weitergegeben, an verfügbare Zutaten angepasst und erhält durch jede Familie seine eigene Handschrift.

Und genau deshalb schmeckt italienische Küche oft nach mehr als nur nach den Zutaten. Sie erzählt von Menschen, Familien und gemeinsamen Mahlzeiten.

Vincisgrassi – ein Stück Marken für zu Hause

Vincisgrassi brauchen ein wenig Zeit, doch vieles lässt sich gut vorbereiten. Wenn die Form aus dem Ofen kommt, die Oberfläche goldbraun ist und der Duft von Fleischsauce, Béchamel und Parmesan durch die Küche zieht, versteht man schnell, warum dieses Gericht so beliebt ist.

Zutaten für 4 Personen

Für die Fleischsauce
300 g Rinderhackfleisch
200 g Schweinehackfleisch
1 kleine Zwiebel
1 Karotte
1 Stange Sellerie
2 EL Olivenöl extra vergine
100 g passierte Tomaten
100 ml trockener Weißwein
Salz und frisch gemahlener Pfeffer

Für die Béchamelsauce
50 g Butter
50 g Mehl
600 ml Milch
Salz, Pfeffer und etwas Muskatnuss

Außerdem
etwa 250–300 g frische Lasagneblätter
80–100 g frisch geriebener Parmigiano Reggiano
etwas Butter für die Auflaufform

Für die Zubereitung verwende ich gerne ein hochwertiges Olivenöl extra vergine. Eine Auswahl italienischer Olivenöle findet Ihr auch bei Porta Vagnu.

So werden die Vincisgrassi zubereitet

1. Das Gemüse vorbereiten

Zwiebel, Karotte und Sellerie fein würfeln. Das Olivenöl in einem großen Topf erhitzen und das Gemüse bei mittlerer Hitze einige Minuten anschwitzen, bis es weich wird und duftet.

2. Die Fleischsauce kochen

Das Rinder- und Schweinehackfleisch dazugeben und kräftig anbraten. Mit dem Weißwein ablöschen und kurz einkochen lassen. Anschließend die passierten Tomaten hinzufügen, mit Salz und Pfeffer würzen und die Sauce bei niedriger Hitze mindestens 45 Minuten sanft köcheln lassen. Sie sollte kräftig schmecken und nicht zu flüssig sein.

3. Die Béchamelsauce zubereiten

Die Butter in einem Topf schmelzen. Das Mehl einrühren und kurz anschwitzen, ohne es braun werden zu lassen. Nach und nach die Milch unter ständigem Rühren hinzufügen. Die Sauce einige Minuten köcheln lassen, bis sie cremig wird. Mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss abschmecken.

4. Die Vincisgrassi schichten

Den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Eine Auflaufform mit etwas Butter einfetten.

Zunächst eine dünne Schicht Fleischsauce hineingeben und Lasagneblätter darauflegen. Danach Fleischsauce, Béchamel und etwas Parmesan darüber verteilen. Die Schichten wiederholen, bis alle Zutaten verbraucht sind. Mit Béchamelsauce und reichlich Parmesan abschließen.

5. Im Ofen backen

Die Form etwa 30–40 Minuten backen, bis die Oberfläche goldbraun ist und die Sauce am Rand leicht blubbert. Vor dem Anschneiden etwa zehn Minuten ruhen lassen, damit sich die Schichten setzen können.

Buon appetito! Mit etwas Geduld entsteht ein herzhaftes Gericht, das italienische Familienküche auf den Tisch bringt.

Die Weinbegleitung: Vernaccia di Serrapetrona DOCG

Was wäre eine kulinarische Reise durch Serrapetrona ohne ihren außergewöhnlichen Wein?

Zur herzhaften Vincisgrassi bietet sich besonders die trockene Vernaccia di Serrapetrona DOCG an. Ihre fruchtigen und würzigen Aromen sowie die feine Perlage können einen spannenden Kontrast zur reichhaltigen Kombination aus Pasta, Ragù, Béchamel und Parmesan bilden.

So begegnen sich auf dem Teller und im Glas zwei Spezialitäten der Marken. Beide erzählen von einer Region, deren kulinarische Schätze es zu entdecken lohnt.

Wer dagegen die süße Variante der Vernaccia probieren möchte, kann sie mit einer traditionellen Süßspeise aus den Marken kombinieren.

Eine süße Spezialität: Cavallucci marchigiani

Auch die süße Seite der Marken hat ihre besonderen Traditionen. Dazu gehören die Cavallucci marchigiani, ein gefülltes Gebäck aus der bäuerlichen Küche der Region.

Anders als die bekannteren, rundlichen Cavallucci aus Siena in der Toskana werden die Varianten aus den Marken mit einer separaten Füllung zubereitet und häufig gebogen, ähnlich einem Hörnchen oder Hufeisen. In die Füllung kommen je nach Rezept Nüsse, getrocknete Früchte, Kakao und sapa – eingekochter Traubenmost.

Diese Kombination aus nussigen, fruchtigen und würzigen Aromen macht das Gebäck zu einer charaktervollen regionalen Spezialität.

Dazu lässt sich die süße Variante der Vernaccia di Serrapetrona DOCG genießen: ein prickelnder roter Schaumwein, dessen fruchtige Aromen die Füllung des Gebäcks wunderbar ergänzen können. So findet die kulinarische Reise durch Serrapetrona einen süßen und zugleich überraschenden Abschluss.

Serrapetrona – klein, besonders und voller Genuss

Serrapetrona zeigt uns, wie viel Besonderes in einer kleinen Region stecken kann. Eine autochthone Rebsorte, eine ungewöhnliche Art der Weinbereitung, eine Küche voller Tradition und Menschen, die ihr Wissen weitergeben.

Vielleicht muss man gar nicht immer die großen, bekannten Reiseziele ansteuern, um Italien zu entdecken. Manchmal genügt ein kleines Dorf in den Hügeln, ein Teller frisch gebackener Vincisgrassi und ein Glas Wein, dessen Geschichte man gerade erst kennengelernt hat.

Denn genau darin liegt für mich der Zauber Italiens: Jeder Ort hat seine eigene Geschichte, jeder Wein seine eigene Persönlichkeit und jedes traditionelle Gericht trägt ein Stück Heimat in sich.

Und vielleicht ist das auch der Grund, warum ich mich immer wieder auf die Suche nach den kleinen, besonderen Entdeckungen Italiens begebe. Es sind nicht immer die berühmtesten Namen, die uns am meisten berühren. Manchmal sind es gerade die weniger bekannten Orte und Produkte, die uns überraschen und lange in Erinnerung bleiben.

Bei Porta Vagnu möchte ich Euch solche Entdeckungen näherbringen – mit Weinen, Olivenölen und italienischen Spezialitäten, hinter denen Menschen, Geschichten und echte Begeisterung stehen.

Porta Vagnu – Italien riechen und schmecken, auch wenn man nicht im Urlaub ist.

Buon appetito und bleibt neugierig auf Italien!

Elke Heselmeyer
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