feine Weine und mehr...

Italian Secrets

Sie war zwar schon einmal Thema bei Italian Secrets. Doch wenn ein Kult-Objekt 80 Jahre alt wird, sollte es Grund genug sein, dieses noch einmal zu erwähnen. Zumal…

„Vor zwei Wochen rollte eine Teilnehmerin meines italienischen Abends stilecht mit ihrer Vespa vor die Osteria Porta Vagnu. Als ich sie sah, musste ich schmunzeln: Gibt es eigentlich ein italienischeres Gefährt als eine Vespa?“

Wohl kaum, denn die Vespa ist eben weit mehr als ein Roller. Sie ist ein Stück italienischer Kulturgeschichte.

Sie wurde 1946 von Piaggio vorgestellt und sollte nach dem Krieg vor allem eines sein: ein erschwingliches, praktisches Fortbewegungsmittel. Entworfen wurde sie vom Luftfahrtingenieur Corradino D’Ascanio. Ihren Namen verdankt sie Enrico Piaggio, der beim Anblick des Prototyps gesagt haben soll: „Sembra una vespa!“„Sie sieht aus wie eine Wespe!“ Wegen ihrer schmalen Taille und des charakteristischen Summens.

Dass sie heute ihren 80. Geburtstag feiert, ist deshalb nicht nur ein Jubiläum für ein Fahrzeug. Es ist ein Jubiläum für ein Lebensgefühl. In acht Jahrzehnten wurden weltweit fast 20 Millionen Vespas verkauft, und Ende Juni wurde dieses Jubiläum mit einem großen internationalen Treffen in Rom gefeiert. Tausende Vespisti aus aller Welt waren zugegen.  

Die Vespa ist eben kein Verkehrsmittel. Sie ist eine Haltung.
Sie steht für Freiheit. Für Leichtigkeit. Für Spontaneität.
Für das Dolce Vita.
Man fährt mit ihr nicht einfach nur von A nach B.

Man fährt durch kleine Gassen, hält auf einer Piazza für einen Espresso an, genießt den Duft von Pinien und Meer und nimmt den Umweg in Kauf, weil die Aussicht so schön ist.

Genau deshalb lieben sie auch in Deutschland so viele Menschen.

Dass diese Teilnehmerin mit ihrer Vespa zum italienischen Abend gekommen ist, zeigt das wunderbar. Sie ist nicht einfach angereist – sie hat das Thema des Abends schon vor dem ersten Glas Wein gelebt. Und: sie trug ganz vorschriftsmäßig ihren Helm auf dem Kopf.

Denn, vor allem in den 1970er-, 1980er- und teilweise noch in den 1990er-Jahren war der Helm für viele Jugendliche in Italien eher ein notwendiges Übel als ein Sicherheitsgegenstand. Man trug ihn oft am Lenker oder hängte ihn über den Arm – für den Fall, dass irgendwo eine Polizeikontrolle auftauchte. Besonders in kleineren Orten wurde das manchmal sogar mit einem gewissen Schmunzeln toleriert. Es gehörte ein wenig zur italienischen Jugendkultur und zum Wunsch nach Freiheit.

Heute hat sich das Bild jedoch deutlich verändert.

Der Helm ist nach wie vor für Fahrer und Beifahrer von Vespas und Motorrollern gesetzlich vorgeschrieben. Wer ohne zugelassenen und korrekt verschlossenen Helm unterwegs ist, muss mit einem Bußgeld zwischen etwa 83 und 333 Euro rechnen. Hinzu kommen Punkte auf den Führerschein und sogar die vorübergehende Stilllegung des Fahrzeugs (60 Tage, bei Wiederholung länger).

Das veranlasst mich zu einem kleinen Ausflug in das italienische Punkte-System:

„Wer in Italien mit der Vespa unterwegs ist, sollte nicht nur an den Helm denken. Anders als in Deutschland startet jeder italienische Autofahrer oder Rollerfahrer mit einem Guthaben von 20 Punkten auf seinem Führerschein. Für Verkehrsverstöße werden Punkte abgezogen – wer umsichtig fährt, kann sich dagegen sogar Bonuspunkte verdienen. Ein schönes Beispiel dafür, dass in Italien nicht nur bestraft, sondern auch gutes Verhalten belohnt wird.“

Aber ich glaube, der entscheidende Grund für den Wandel sind gar nicht nur die höheren Strafen.

Die Einstellung der jungen Generation hat sich verändert.

Ein hochwertiger Helm ist heute längst kein Zeichen von Uncoolness mehr. Viele Hersteller bieten sehr stilvolle Modelle an, die farblich perfekt zur Vespa passen. Gerade in Städten wie Mailand, Turin oder Rom sieht man viele junge Menschen mit modernen Jethelmen oder eleganten Integralhelmen – oft passend zur Farbe des Rollers.

Die Vespa ist heute viel stärker ein Lifestyle-Objekt als ein reines Fortbewegungsmittel. Und zum Lifestyle gehört inzwischen auch ein schöner Helm.

Wir können also festhalten: Es gab eine Zeit, da hing der Helm bei vielen Jugendlichen lässig am Lenker – getragen wurde er erst, wenn eine Polizeistreife in Sicht kam. Heute hat sich das Bild gewandelt: Nicht nur die gesetzlichen Vorschriften sind strenger geworden, auch das Sicherheitsbewusstsein ist deutlich gewachsen. Und ein stilvoller Helm gehört inzwischen fast ebenso selbstverständlich zur Vespa wie das charakteristische Summen ihres Motors.“

Mein 🍅 Rezept der Woche ist dann auch ganz passend ein echter Klassiker aus Latium:

Bruschetta al Pomodoro – der Geschmack eines italienischen Sommers

Häufig braucht es nicht mehr als ein paar gute Zutaten, um das italienische Lebensgefühl auf den Teller zu zaubern. Eine Bruschetta lebt von der Qualität der Produkte – reife Tomaten, fruchtiges Olivenöl und frisches Basilikum sind hier die wahren Hauptdarsteller.

Zutaten (für 4 Personen)
4–6 Scheiben rustikales italienisches Landbrot (z. B. Ciabatta oder Pane Casereccio)
3–4 reife Tomaten
1 Knoblauchzehe
einige Blätter frisches Basilikum
3–4 EL hochwertiges natives Olivenöl extra (z. B. das Amuri aus Sizilien: https://porta-vagnu.de/produkt/olio-extra-vergine-di-oliva-biologica-amuri-2/
Meersalz
frisch gemahlener schwarzer Pfeffer

Zubereitung

Das Brot auf dem Grill, im Backofen oder in einer Grillpfanne goldbraun rösten.
Währenddessen die Tomaten in kleine Würfel schneiden und in eine Schüssel geben. Das Basilikum fein zupfen oder in feine Streifen schneiden und zu den Tomaten geben. Mit dem Olivenöl,
etwas Meersalz und frisch gemahlenem Pfeffer vermengen und die Mischung einige Minuten ziehen lassen, damit sich die Aromen verbinden.

Die noch warmen Brotscheiben mit einer halbierten Knoblauchzehe einreiben. So erhält die Bruschetta ihr feines Knoblaucharoma, ohne dass der Knoblauch zu dominant wird.

Anschließend die Tomatenmischung großzügig auf den Brotscheiben verteilen und zum Schluss nach Belieben mit einem kleinen Spritzer Olivenöl verfeinern.

Am besten sofort servieren – am liebsten mit Blick auf den Sonnenuntergang oder zumindest mit einem Glas gut gekühltem italienischen Weißwein in der Hand.

Diese Bruschetta schmeckt am besten wie in Italien: draußen, mit guten Freunden, einem Glas Wein – und wenn irgendwo in der Ferne das unverwechselbare Summen einer Vespa zu hören ist.

🍷 Passender Wein

Ich würde einen frischen Frascati Superiore DOCG wählen, denn Frascati entsteht nur wenige Kilometer vor den Toren Roms – jener Stadt, mit der die Vespa seit Jahrzehnten verbunden ist. Seine Frische und Leichtigkeit spiegeln genau das wider, wofür auch die Vespa steht: unbeschwerten Genuss.

Mein Schlussgedanke heute gilt einem Film-Klassiker aus dem Jahre 1953:
„Wer an die Vespa denkt, denkt unweigerlich auch an Audrey Hepburn und Gregory Peck, die in ‚Ein Herz und eine Krone‘ lachend durch Rom fahren. Diese wenigen Filmminuten haben die Vespa unsterblich gemacht. Bis heute steht sie für Freiheit, Leichtigkeit und das Dolce Vita – und erinnert uns daran, dass manchmal schon eine kleine Fahrt genügt, um sich dem Alltag für einen Augenblick zu entziehen.“

Buon appetito und bleiben Sie gesund!

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